Bau von Insektenhotels

Viele Leute denken beim wirtschaftlichen Nutzen von Bienen in erster Linie an den Verkauf des von den Imkern gewonnenen Honigs. Der wahre Wert der Bienen und anderer Insekten für die Landwirtschaft liegt jedoch in ihrer Rolle bei der Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen. Bienen legen nämlich für Ihren Nachwuchs ein Futterlager aus Nektar und Pollen an, von dem sich die Bienenlarven bis zu ihrem Schlüpfen ernähren. Beim Einsammeln des wertvollen Pollens auf Blüten an Pflanzen und Bäumen tragen sie aber nicht die gesamte Ernte ins heimische Nest, sondern sie verlieren unterwegs Teile davon auf den Blüten anderer Pflanzen und Bäumen. Dadurch sind sie, noch weit mehr als der Wind, das entscheidende Element in der Natur bei der Bestäubung. Ohne diese Bestäubung könnten sich Blüten nicht mehr weiter zu Früchten entwickeln, aus denen dann wieder neue Pflanzen und Bäume wachsen.

Nicht nur die wohlbekannten staatenbildenden Honigbienen tragen zur Bestäubung bei, sondern auch die weniger bekannten, alleine lebenden Wildbienen spielen dabei eine wichtige Rolle. Bis vor kurzem nahm man noch an, dass drei Viertel der tierischen Bestäubungstätigkeit in landwirtschaftlichen Kulturen durch Honigbienen erfolgt. Neuere Untersuchungen in Großbritannien deuten aber darauf hin, dass der Beitrag von Honigbienen bei der Bestäubung wesentlich geringer ist und nur etwa ein Drittel ausmacht. Eine viel größere Rolle wird von wild lebenden Insekten, insbesondere von Wildbienen, geleistet. Bestimmte Blütenpflanzen werden überhaupt nur von Wildbienen bestäubt. Dazu kommt, dass gerade in unserer Region in den letzten Jahren der Beitrag der Honigbienen zur Bestäubung durch den Rückgang der Imkerei und die hohen Verluste durch das Honigbienensterben deutlich abgenommen hat.

Dabei sind Wildbienen als Kleinunternehmer in der Regel auch noch effizientere Bestäuber als die Honigbienen. So zeigte eine Studie, dass bei der Bestäubung eines Hektars von Apfelbäumen der Sorte „Red Delicious“ nur wenige Hundert Weibchen der gehörnten Mauerbiene Osmia cornuta die gleiche Leistung erbringen wie mehrere Zehntausend Arbeiterinnen der in großen Bienenstaaten organisierten europäischen Honigbiene Apis mellifera.

Aber warum brauchen solche wild lebenden Tiere wie Wildbienen, die es schon 100 Millionen länger auf der Erde gibt als Menschen, und die schon den Dinosauriern um die Köpfe geschwirrt sind und diese erfolgreich überlebt haben, überhaupt unsere Unterstützung beim Nistbau? Dazu meint Günther Schütz vom Bund Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), der den Kursteilnehmern im Umweltzentrum am kommenden Samstag zeigt, wie man aus Holz, Schilf und Lehm ein Insektenhotel baut: „Leider gehören heute viele der ungefähr 500 verschiedenen Wildbienenarten in Baden-Württemberg schon zu den bedrohten Arten, weil ihr natürlicher Lebensraum durch den Menschen immer mehr eingeschränkt worden ist. In unserer aufgeräumten Natur fehlt es den Wildbienen an geeigneten natürlichen Nistplätzen in sandigen Böden, in Mauerfugen und zwischen Pflastersteinen, in hohlen Pflanzenstengeln, in morschen Holzstücken, ja sogar in leeren Schneckenhäusern, wo Wildbienen mit Vorliebe ihre Nistplätze anlegen. Darum sollten wir sie beim Nistplatzbau mit unseren Insektenhotels ein wenig unterstützen.“ Pro Insektenhotel kostet das übrigens, egal ob Einzelperson oder Familie, 15 Euro. Dabei erfahren sie auch gleichzeitig viel Interessantes über die Lebensweise, den Nutzen und natürlich auch die Gefährdung der Wildbienen.

Wer von Bienen hört, denkt unwillkürlich an unangenehme Begegnungen mit deren Stacheln. „Nur keine Angst,“ beruhigt Günther Schütz, „die Wildbienen, die in das Insektenhotel einziehen, werden sie nicht stechen. Zwar haben Wildbienenweibchen einen kleinen Stachel, den sie aber praktisch nie benutzen. Er ist sowieso zu schwach, um die menschliche Haut zu durchdringen. Und im Gegensatz zu Honigbienen verteidigen Wildbienen nicht ihr Nest, sodass man ziemlich unbehelligt seine neuen Hotelgäste im heimischen Garten beobachten kann, ohne sich erst wie bei Honigbienen eine Schutzkleidung anlegen zu müssen.

Also mehr Insektenhotels in unsere Gärten zur Rettung der Wildbienen? „Wir dürfen uns dabei natürlich nichts vormachen“, gibt Günther Schütz zu bedenken, “ein Insektenhotel hilft zwar den Wildbienen bei der Einrichtung von Nistplätzen, aber wenn wir nachhaltig etwas für die Erhaltung dieser bedrohten Insektenarten tun wollen, so sollten wir ihnen in unseren Gärten auch ein ausreichendes Nahrungsangebot anbieten und kein Gift mehr spritzen. Dazu gehören auch mehr Wildpflanzen und sogenannte Unkräuter.“ Und mit einem Augenzwinkern fügt Schütz hinzu: „Aber auch die stolzen Besitzer von sorgsam gepflegten Gärten mit Zierpflanzen können mit einer entsprechend bepflanzten Staudenrabatte, mit einem Steingarten oder einem Sommerblumenbeet die Flächen rund um das Haus oder sogar auf dem Garagendach wildbienenfreundlich gestalten.“ Zu den Lieblingspflanzen von Wildbienen zählen übrigens Beerensträucher, Alant, Dost, Glockenblumen, Klee, Natterkopf, Salbei, Schafgarbe, Thymian und Ziest.

Der BUND lädt in regelmäßigen Abständen können Erwachsene und Kinder im Umweltzentrum in VS-Schwenningen aus vorbereitetem Material und gestelltem Werkzeug ein Insektenhotel als Nisthilfe für Wildbienen für den eigenen Garten oder Balkon bauen. Gerade Kindern gewährt die Beobachtung von Wildbienen einen faszinierenden Einblick in die Lebensweise dieser viel zu wenig bekannten und beachteten Insekten, die für das Gleichgewicht der Natur und den volkswirtschaftlichen Nutzen der Landwirtschaft eine so große Bedeutung haben. 

Die aktuelle Termine finden sie hier.


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