11.11.2009
Acht südwestdeutsche Naturschutzverbände sorgen sich um die Zukunft der bäuerlichen Betriebe, die Qualität der Nahrungsmittel, die Schönheit der Landschaft und den Erhalt der Biodiversität. In der „Freiburger Resolution“ vom 11.11.2009 stellen sie am Beispiel des Schwarzwaldes folgende Forderungen auf:
- Die Wiesen und Weiden der Mittelgebirge wie etwa des Schwarzwaldes müssen weiterhin einer Nutzung unterliegen. Sie prägen die Landschaft, sind Lebensräume gefährdeter Pflanzen und Tierarten, und verdienen daher besonderen Schutz und Pflege
- Wir fordern eine Abkehr von der bisherigen Landwirtschaftspolitik einer einseitigen Produktionsoptimierung mit dem Ziel der Gewinnoptimierung. Diese führt zu Intensivierung der Produktion bis hin zur Überproduktion, qualitativ schlechteren Nahrungsmitteln, Umweltbelastungen durch Überdüngung und Emissionen und einem Verlust von bäuerlicher Vielfalt und Kultur
- Wir fordern eine Produktion in Anlehnung an das europäische Agrarmodell der multifunktionellen Landwirtschaft. Leistungen der Grünlandbewirtschaftung, die über Milch- und Fleischerlöse nicht abgegolten werden, müssen angemessen honoriert werden!
- Bäuerliche Familienbetriebe müssen wirtschaftlich in ihrem Überleben gesichert werden. Höfe mit extensiver Nutzung, mit Flächen in Steillagen, naturschutzfachlich wertvollen Lebensräumen sowie alte Tierrassen sind daher durch Ausgleichszahlungen und Investitionshilfen zu fördern, um Eigenart und Schönheit der Landschaft zu erhalten. Die Erhaltung der Wiesen und Weiden muss zusammen mit den Bäuerinnen und Bauern erfolgen
- In der Landwirtschaft sollen auch Nutzungssysteme tragbar sein, welche auch das Heu von artenreichen Magerwiesen verwerten können. Der immer größere Anteil von Kraftfutter in den Futterrationen der Hochleistungskühe und Mastrinder entkoppelt regionale Kreisläufe, führt zur Nutzungsaufgabe von Grünlandflächen und zur Intensivierung von Ackerflächen. Kraftfutterimporte aus Übersee führen auch zu Flächenkonkurrenz mit den Kleinbauern wie zur Vernichtung von Urwald. Damit werden Kleinbauern in der so genannten "Dritten Welt" ebenso in ihrer Existenz bedroht wie die Bauern im Schwarzwald
- Der ländliche Raum muss ganzheitlich als Lebensraum erhalten und entwickelt werden
Bezüglich der kommenden Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU im Jahr 2014 ist ein Paradigmenwechsel anzustreben. Wir fordern eine Abkehr von der Förderung einer immer intensiver wirtschaftenden, spezialisierten, von den natürlichen Kreisläufen entkoppelten Landwirtschaft mit immer weniger Höfen.
- Der Umbau der heutigen „Milchquoten“ zu „Flächenprämien“ im Jahr 2013 GAP ist an nachhaltige Umwelt- und Ressourcenschonung zu orientieren, und nicht flächenpauschal zu zahlen
- Die Entwicklung des Ländlichen Raumes über die 2. Säule muss gestärkt werden. Die multifunktionale Rolle der europäischen Landwirtschaft ist über die Ausgleichszulage Berggebiet, die Agrarumweltprogramme wie MEKA, sowie Investitionsförderung zu unterstützen
- Angesichts der begonnenen Klimaveränderung muss eine klimaschonende Landwirtschaft gefördert werden, wobei dem Grünland eine besondere Rolle zufällt
Freiburg, 11.11.2009
- ARGE Landnutzung Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV)
- Badischer Landesverein für Naturkunde und Naturfreunde Baden
- Naturschutz (BLNN) Naturschutzbund (NABU) Baden-Württemberg
- BUND Baden-Württemberg
- Schwarzwaldverein
- Forum pro Schwarzwaldbauern